Ein Kapitalbezug ist erst vollständig geplant, wenn feststeht, wie viel liquide bleibt, wie der Rest angelegt wird und wie hoch die laufenden Entnahmen sein dürfen.
Die folgenden Überlegungen helfen Ihnen, die eigene Situation zu ordnen. Verbindlich bleiben die persönliche Offerte und das Reglement Ihrer Pensionskasse.
Nach dem Kapitalbezug liegt ein grosser Betrag auf dem Konto – aber noch keine fertige Einkommenslösung. Das Vermögen muss gleichzeitig kurzfristige Ausgaben ermöglichen, langfristig Kaufkraft erhalten und auch in schlechten Marktphasen genügend Zeit bekommen.
Darum sollte die Anlagestrategie vor der Auszahlung feststehen. Wer erst danach unter Zeitdruck entscheidet, lässt das Geld möglicherweise zu lange unverzinst liegen oder investiert zu viel auf einmal in ein Risiko, das später nicht ausgehalten wird.
Berechnen Sie zuerst die jährliche Entnahmelücke
Ziehen Sie AHV und andere sichere Nettoeinkommen von Ihren jährlichen Ausgaben ab. Der verbleibende Betrag muss aus dem Kapital kommen. Ergänzen Sie geplante Grossausgaben separat, damit sie nicht unbemerkt die laufende Entnahme erhöhen.
Teilen Sie diese Lücke nicht einfach durch eine durchschnittliche Rendite. Entnahmen bestehen aus Erträgen und, falls nötig, aus Kapitalverzehr. Ob das tragbar ist, hängt von Zeithorizont, Teuerung, Kosten und Marktentwicklung ab.
Halten Sie kurzfristig benötigtes Geld aus dem Marktrisiko heraus
Eine Liquiditätsreserve verhindert, dass Wertschriften für den Lebensunterhalt gerade nach einem Kursrückgang verkauft werden müssen. Ihre Höhe hängt von der Ausgabenlücke, sicheren Einkommen und absehbaren Grosszahlungen ab. Es gibt keine für alle passende Anzahl Jahresausgaben.
Die Reserve soll Sicherheit schaffen, aber nicht das gesamte Vermögen dauerhaft blockieren. Zu viel unverzinstes Geld verliert durch Teuerung an Kaufkraft. Definieren Sie deshalb auch, wann und wie die Reserve wieder aufgefüllt wird.
Wählen Sie das Anlagerisiko nach Bedarf, nicht nach Alter
Kapital, das erst in fünfzehn Jahren gebraucht wird, kann anders angelegt werden als Geld für die nächsten zwei Jahre. Eine sinnvolle Aufteilung verbindet mehrere Zeithorizonte und eine breite Diversifikation. Die Aktienquote ergibt sich daraus, welche Verluste Ihr Plan finanziell übersteht und welche Schwankungen Sie persönlich aushalten.
Rechnen Sie mit Nettorenditen nach Produkt-, Depot-, Transaktions- und Beratungskosten. Ein Prozentpunkt Kostenunterschied wirkt über viele Jahre erheblich. Gleichzeitig ist die günstigste Lösung nicht automatisch die passendste, wenn Beratung, Organisation oder Entnahmeunterstützung fehlen.
Legen Sie Regeln für schwache Jahre fest
Frühe Börsenverluste sind bei gleichzeitigen Entnahmen besonders gefährlich. Definieren Sie deshalb vorab, aus welchem Topf die monatlichen Zahlungen kommen, wann Anlagen verkauft werden und welche freiwilligen Ausgaben in einem schlechten Jahr angepasst werden könnten.
Überprüfen Sie den Plan mindestens jährlich. Aktualisieren Sie Budget, Steuern, Reserve und Vermögensstand. Eine gute Strategie verlangt nicht ständige Aktivität, aber klare Regeln – auch für den Fall, dass Sie die Anlagen später nicht mehr selbst verwalten möchten.
Wer überweist Ihnen nach der Pensionierung jeden Monat welchen Betrag – und aus welchem Vermögenstopf kommt das Geld?
Was Sie jetzt konkret tun können
- 1.Jährliche Lücke nach AHV und sicheren Einkommen bestimmen.
- 2.Liquiditätsreserve und geplante Grossausgaben separat festlegen.
- 3.Anlagehorizonte und tragbares Verlustrisiko definieren.
- 4.Alle Kosten in der erwarteten Nettorendite berücksichtigen.
- 5.Entnahme-, Auffüll- und Kontrollregeln schriftlich festhalten.
Häufige Fragen
Soll das ganze Kapital sofort investiert werden?
Nicht zwingend. Kurzfristig benötigtes Geld und die Steuerreserve sollten liquide bleiben. Für den langfristigen Teil braucht es einen geplanten Einstieg, der zu Ihnen passt.
Wie hoch soll die Liquiditätsreserve sein?
Sie hängt von Ihrer jährlichen Ausgabenlücke, sicheren Einkommen, Grossausgaben und dem Risiko des übrigen Portfolios ab. Eine pauschale Zahl greift zu kurz.
Welche Rendite ist realistisch?
Das hängt von der Anlagestruktur ab. Planen Sie mit mehreren Nettorenditen nach allen Kosten und testen Sie zusätzlich frühe Verlustjahre.
Wie oft muss ich den Plan prüfen?
Mindestens jährlich sowie nach grossen Ausgaben, Veränderungen im Haushalt oder einer deutlich veränderten Finanzmarktsituation.
Wo Sie verbindliche Angaben finden
Für Ihre Leistungen, Fristen und Hinterlassenenrenten gilt das Reglement Ihrer Pensionskasse. Steuerwerte müssen für Wohnort, Jahr und Haushalt aktuell berechnet werden. Die folgenden offiziellen Stellen bieten eine verlässliche allgemeine Einordnung.
